Vielfalt

10 Milliarden – wie werden wir alle satt?
Sind unsere Essgewohnheiten zukunftsfähig?

Wenn sich Berufsschüler im Alltag beim Bäcker oder Schulkiosk eine Leberkässemmel kaufen, machen sie sich vermutlich kaum Gedanken über die Rohstoffe, die Umstände der Produktion und die Folgen.

In der Woche vor Pfingsten durften etwa 140 Schülerinnen und Schüler der Berufsschule IV hinter die Kulissen der Nahrungsmittelproduktion schauen. Der Film „10 Milliarden – Wie werden wir alle satt?“ von Valentin Thurn und Stefan Kreutzberger – angeboten als Kooperationsprojekt mit der Frauenfilmreihe des Katholischen Frauenbundes – gab Einblicke in die Nahrungsmittelproduktion und führte mögliche Lösungen vor Augen.
Welche Lösungen bieten Industrieunternehmen wie Bayer, Monsanto, K+S? Wo sind die Unterschiede zum traditionellen Pflanzenanbau?

von links: Johannes Mayr, Maria Schneider, Co-Autor und Referent Michael Kreutzberger, Frauenbund-Vizepräsidentin Sabine Slawik, Leon D. (Auszubildender bei DB Schenker Logistik)

Sehr drastisch zeigte der Film die Konsequenzen der industriellen Produktion: Es werden Hybridhühner gezüchtet, die entweder Fleisch ansetzen oder Eier legen. Bei letzteren werden männliche Küken massenhaft von Schreddern zerfleischt und entsorgt (wie die AZ berichtete). Sie werden nicht als Lebewesen behandelt, sondern dienen der automatisierten Massenproduktion. Darüber hinaus benötigt die Massentierhaltung Medikamente und riesige Anbauflächen weltweit für Futtermittel.

Dass es auch anders funktioniert, zeigt die Gegenüberstellung von landwirtschaftlichen Kommunen in Afrika und in Deutschland sowie von Bio-Bauernhöfen, die nur so viele Tiere halten, wie sie selbst mit ihren Anbauflächen ernähren können.

Immerhin etwa 1/3 der anwesenden Schüler versorgt sich selbst mit Lebensmitteln. Darunter eine Schülerin die anmerkte: „Als ich letztes Wochenende mit Freunden gegrillt habe, haben wir trotzdem Fleisch in Packungen aus dem Supermarktkühlfach gekauft, weil wir uns das Biofleisch nicht leisten können.“

Der Co-Autor zum Film, Stefan Kreutzberger, gab anschließend Einblicke in die Recherche- und Dreharbeiten und in sein persönliches Konsumverhalten. Er verzichte zwar auch nicht auf Fleisch, kaufe jedoch seltener und wenn dann Bio-Fleisch ein. Ein weiterer Schüler meinte: „Es müsste Vorschriften geben, die den Unternehmen solche Vorgehensweisen (Anm.: Landraub von Kleinbauern und Abholzung) verbieten.“

Fragen hierzu, die sich im Film quasi aufdrängen bzw. gestellt werden:
Inwiefern folgt die Politik den Interessen der Unternehmen, die Massentierhaltung betreiben, Hybridsaatgut anbieten oder Düngemittel herstellen?Kreutzberger appellierte an die Schüler, als Konsumenten zu entscheiden, was sie kaufen, da hier wohl der größere Einfluss besteht.

Auf Nachfrage wünschte sich der größte Teil der Anwesenden auch mehr Nachhaltigkeit im schulischen Pausenverkauf und zeigte sich auch bereit, dies im angemessenen Rahmen zu bezahlen.

Johannes Mayr und Maria Schneider

Friedenserziehung aus Palästina –
Friedenspreisträgerin Farhat-Naser an der Welserschule

„Ich war danach so betroffen, dass ich überhaupt nichts mehr sagen oder fragen konnte. Wenn ich das nicht selbst gehört hätte, würde ich es nicht glauben“, so Auszubildende im 1. Lehrjahr der Fachbereiche Fachlagerlogistik, Büromanagement und Versicherung der Welserberufsschule der Stadt Augsburg. Sumaya Farhat-Naser, die Augsburger Friedenspreisträgerin des Jahres 2000, war bereits zum dritten Mal im Rahmen des Projekts „Religionsverbindende Friedenserziehung“ an die Schule gekommen, um über ihr Leben in Palästina und ihre Friedensbemühungen zu berichten.

Von links nach rechts: Boris Hauschild (Projektbetreuung), Thomas Weber (VEF 10CB), Friedenspreisträgerin Dr. Farhat-Naser, Iris Dautovic (VEF 10CB), Maria Schneider (Projektbetreuung), stellvertretender Schulleiter Herbert Lauterbach, Jonathan Lucas (BM 10B) Foto: Jennifer Mölter

„Bomben in Gaza, Terror, Messerattacken, das sind die Meldungen die ihr hier in Deutschland über uns in Palästina erhaltet. Aber wir sind vor allem Menschen, die sich nach Frieden und einem guten Miteinander sehnen. Unser Land ist die Heimat dreier Religionen: des Judentums als gemeinsame Wurzel, des Christentums und des Islam.“ Häufig werde Religion als Ursache für Gewalt dargestellt, aber das Gegenteil sei der Fall. Religionen könnten Menschen zusammenführen, wenn sie nicht von der Politik für Nationalismus und Fanatismus missbraucht würden, so die Referentin.

Das ökumenische Projekt „Religionsverbindende Friedenserziehung“ der Berufsschule unter der Leitung der Religions- und Ethiklehrkräfte Maria Schneider und Boris Hauschild möchte Jugendlichen ein „Standing“ in der eigenen Religion vermitteln, die Fähigkeit fördern, Gemeinsamkeiten zu erkennen und Andersgläubige nicht als Bedrohung, sondern als Bruder und Schwester wahrzunehmen. Dafür ist die christliche Palästinenserin eine sehr authentische Zeugin. Trotz der politisch schier aussichtlosen Lage arbeitet sie seit vielen Jahren unermüdlich an der Ermöglichung eines Friedensprozesses, der Aussöhnung zum Ziel hat. Was können die jungen Menschen in Augsburg dabei lernen?

Die Friedensworkshops basieren auf drei Prinzipien:

  • Alle Menschen sind gleich, haben Gemeinsamkeiten und gleiche Rechte.
  • Jeder Mensch ist zugleich einzigartig und einmalig. Die Verschiedenheit ist Bereicherung und nicht Bedrohung.
  • In jedem Menschen wohnt ein besonderer Kern, den er durch positive Gefühle, Vergebung und Liebe zum Leuchten bringen und pflegen kann.

Diese Friedensarbeit zwischen Israelis und Palästinensern ist ihr in ihrer Heimat untersagt. Stattdessen wird der Bau von Mauern und Militärsperren von israelischer Seite ständig fortgesetzt und von palästinensischer Seite erfolgen Angriffe und Anschläge. „Feindbilder sollen nicht ab- sondern aufgebaut werden. Die aktuelle Politik ist an Frieden nicht wirklich interessiert. Aber Menschen können sich nur aussöhnen und die Angst voreinander verlieren, wenn sie sich persönlich begegnen.“

Besonders schockierte die Auszubildenden die Situation von Kindern und Jugendlichen an den vielen militärischen Kontrollpunkten – über 500 auf einer Strecke von ungefähr Augsburg bis Frankfurt -, die einen regelmäßigen Schulbesuch teilweise unmöglich machten. Prüfungen und Examen müssten unter einer massiven Bedrohungslage für die Schüler absolviert werden. „Es gibt in unserem Land zweierlei Gesetzgebung und ein System von Apartheit, das der normale Tourist nicht bemerken wird.“

„Warum haben Sie nicht schon längst aufgegeben? Woher nehmen Sie die Kraft“, fragten Schüler. Farhat-Naser appellierte an die Jugendlichen: „Was ihr hier in Deutschland und Europa erreicht habt, ist das Ergebnis eines ganz langen Kampfes für Gerechtigkeit und Menschenwürde. Bewahrt es, setzt es nicht leichtfertig aufs Spiel, leistet euern Beitrag! Bringt euern inneren Kern zum Leuchten!“

Herbert Lauterbach, der stellvertretende Schulleiter, bedankte sich sichtlich beeindruckt für den fesselnden Vortrag und die nachhaltigen Impulse, „die gerade auch uns in Deutschland zu sehr denken geben“.

Neben der Welserschule besuchte die Friedensaktivistin auch das Gymnasium bei St. Stephan und das Peutingergymnasium. Nach Vorträgen in der Schweiz können Besucher die palästinensische Christin auf dem diesjährigen Katholikentag in Leipzig erleben.