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25.06.2019 - Interkulturelle und interreligiöse Verständigung Teil III: Dialog mit den Religionsgemeinschaften

Judentum und jüdisches Leben in Augsburg

 „Wie leben eigentlich Juden? Was macht sie so besonders? Woran glauben sie? Gibt es sich heute noch? Warum werden sie verfolgt?“

Dass die religiösen Wurzeln der abrahamitischen Religionen des Christentums und des Islam im Judentum liegen, hatte die Klasse DM 10B bereits durch die Erarbeitung, Vorstellung und Diskussion ihrer Präsentationen festgestellt. Überrascht waren die Schüler/innen dabei von den vielen Gemeinsamkeiten wie die Bedeutung der Glaubensväter und -mütter wie Abraham, Hagar, Sara, Ismael, Isaak, Jakob, Josef und vieler Propheten.

Der Besuch des jüdischen Kulturmuseums und der Synagoge ermöglichte ein persönliches Kennenlernen und die Vertiefung von offenen Fragen.

Frau Bialas, selbst zwar Katholikin, „aber sehr kompetent“ in hebräischer Sprache, jüdischer Religion und Brauchtum, konnte die vielfältigen Fragen ausführlich beantworten. Ihr, die längere Zeit in Israel gelebt hat, ist es ein Herzensanliegen, Verständnis der Religionen füreinander zu vertiefen und Toleranz fördern.

Die Bibel bezeichnet die Angehörigen des jüdischen Glaubens als „Israeliten“. Der jüngere Ausdruck „Judentum“ bezieht sich auf die Gemeinschaft aller Angehörigen des jüdischen Volkes und kommt von Juda, einem der zwölf Söhne Jakobs (später Israel genannt).

Nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem durch die Römer und der Vertreibung aus dem Land im Jahre 70 n. Chr. suchten jüdische Familien weltweit Unterschlupf. Es bildeten sich jüdische Siedlungen mit Synagogen als religiöse Zentren.

In Augsburg sind seit dem 13. Jahrhundert jüdische Gemeinden bekannt. Immer wieder wurden die jüdischen Bürger diskriminiert, vertrieben und enteignet. Immer wieder haben sie durch Handel Wohlstand in die Stadt gebracht und damit auch ihr Gebetshaus, die Synagoge, bauen und reichhaltig ausstatten können. Abgeschlossene jüdische Ghettos gab es in Augsburg nie.

Religiöse und politische Unkenntnis und Intoleranz, Neid, wirtschaftliche Konkurrenz und die Folgen gezielter Hetzpropaganda führten immer wieder zu schrecklichen Gräueltaten.

In der Reichspogromnacht 1938 rettete die Feuerwehr die Augsburger Synagoge, nachdem jugendliche Nazis diese angezündet hatten, damit das Feuer nicht auf die gegenüberliegende Tankstelle übergreifen und das ganze Stadtviertel zerstören würde.

Aber auch das Glaubensleben, die religiösen Vorschriften und die Speisegesetze waren für die Schüler/innen sehr interessant – besonders auch in der Zusammenschau mit der eigenen religiösen Praxis im Christentum und den verschiedenen Richtungen des Islam.

Die Grundlage des jüdischen Glaubens bilden die fünf Bücher Moses, die Thora (Lehre) – auch hebräische Bibel genannt. Zum Angehörigen des Judentums wird man i. d. R. durch Geburt (Mutter ist entscheidend), nicht durch Konversion (Übertritt) oder Missionierung. Durch die Beschneidung eines Jungen am achten Tag nach seiner Geburt tritt er in den abrahamitischen Bund ein.

Das besondere Highlight aber war die Besichtigung der berühmten Augsburger Synagoge, einer der schönsten Europas! Erst 1985 konnte sie nach dem Krieg wieder vollständig restauriert eröffnet werden.

 „Die Restaurierung hat sich auf alle Fälle gelohnt, und unser Besuch auch!“, da war sich die Klasse einig.

Maria Schneider, Jürgen Johan