Nachrichten

26.06.2019 - Interkulturelle und interreligiöse Verständigung III: Im Dialog mit dem Christentum

Besuch in der Augsburger St. Moritzkirche

Nur wenige Tage vorher begannen die offiziellen Feierlichkeiten zum 1000jährigen Bestehen der Kirche St. Moritz, einer der ältesten Augsburgs.  Anlass für unseren Besuch dort, praktisch als Teil des Jubiläumsprogramms, war die Beschäftigung mit dem Christentum im Rahmen des interreligiösen Verständigungsprozesses „Vielfalt erkunden“.

Pfarrer Helmut Haug, katholischer Priester in St. Moritz, zuständig für die katholischen Priester Augsburgs und Mitglied des „Runden Tisches der Religionen der Stadt Augsburg“, empfing uns vor der Kirche und führte uns stufenweise – entsprechend zum Eintritt ins Christentum durch die Sakramente, die Zeichen der Nähe Gottes, – ins Innere.

„Wow, der Anblick öffnet mir echt die Seele!“, „Das hätte ich nicht erwartet, dass eine katholische Kirche so aussehen kann!“, so die spontanen Reaktionen der Schüler/innen beim Eintritt in das Innere des in den letzten Jahren restaurierten Gotteshauses.

„Kirchengebäude sind immer Ausdruck des Glaubens in einer bestimmten Zeit. Das ist bei Moscheen oder Synagogen nicht anders. Darüber hinaus spielen natürlich noch die Glaubensrichtungen wie die verschiedenen evangelischen, orthodoxen, anglikanischen oder freikirchlichen, charismatischen Bekenntnisse eine Rolle. In der erneuerten St. Moritzkirche steht durch die Klarheit und Offenheit der Architektur der auferstandene Jesus Christus im Mittelpunkt. Er kommt dem Besucher optisch entgegen. Für Haug bedeutet dies, dass „wir Menschen immer auf Gott zählen dürfen und er uns in Jesus immer entgegenkommt – in welcher Situation wir auch sind.“ Dieser Glaube verbinde alle Christen und helfe ihm persönlich bei den vielfältigen Notlagen, denen er als Seelsorger begegne.

In der Friedensstadt Augsburg ist ihm auch die Förderung des Dialogs der Religionen ein wichtiges Anliegen. So fand am Vorabend auf dem Kirchenvorplatz ein gemeinsames Mahl zum Fastenbrechen mit der muslimischen Gemeinde statt.

Im offenen „Westchor-Projekt“, dem Beteiligungs-Forum von St. Moritz, war anschließend noch Gelegenheit zur Aussprache: „Warum bezahlen die Mitglieder der katholischen und evangelischen Kirche extra Steuern? Wofür verwendet die Kirche das Geld? Warum leben katholische Priester ehelos? Gibt es einen Zusammenhang mit dem sexuellen Missbrauch Minderjähriger? Warum dürfen Frauen keine Priester werden? Wofür gibt es Heilige? Was ist der Heilige Geist?“

„Heiße Eisen“ und offene Fragen wurden bei einem Getränk intensiv diskutiert. Die Vielfalt der Religionszugehörigkeiten der Schüler/innen bereicherte das Gespräch. Passanten, die dies interessiert verfolgten, äußerten sich beeindruckt: „Sagenhaft, wie kompetent sich die jungen Leute mit Religion auseinandersetzen! Was sind das denn für Schüler?“

Ja, das ist die Klasse DM 10B der kaufmännischen Berufsschule 4 in Augsburg! Klassenleiter Herr Johan konnte mal wieder sehr stolz auf sein „Dream-Team“ sein!

Maria Schneider, Jürgen Johan