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07.06.2018 - Firmenlauf Augsburg 2018 – Wer hätte das gedacht?

 

Stundenplanmacher: „Und? Sind Sie mit dem Lauf zufrieden?“
Referendar: „Ich hatte heuer zwar überhaupt nicht trainiert, aber ich war trotzdem schneller als im Vorjahr! Das hat mich schon erstaunt.“

Wie es das geben kann, wissen allein unsere Stundenplanmacher, denn das erfolgreiche Erlebnis „Firmenlauf“ ist ein Geheimprodukt und wirft, bereits lange bevor es an der Messe draußen für die, in diesem Jahr neun Kolleginnen und Kollegen an den Start ging, seine Schatten voraus. Fast ein Jahr zuvor nämlich entstehen unter dem Decknamen `Stundenplan` die Trainingspläne, welche die Anwärter für den Lauf vorbereiten werden, ohne dass diese davon eigentlich erfahren. Offiziell werden hierbei selbstverständlich Punkte berührt wie, welche Lehrkraft unterrichtet in welchen Klassen und Klassenzimmern. Es soll um Raumplanung, Klassenstärken, zu unterrichtende Fächer, Sommer- und Winterprüfungsklassen oder um den im Lehrplan vorgeschriebenen Stundenanteil an Datenverarbeitung gehen, heißt es. Im Verborgenen dagegen hat das Pseudonym `Stundenplan` einzig und allein den Gegenstand zum Ziel, unsere neun Läufer mit einem ausreichenden Maß an Trainingskilometern zu versorgen. Unser Schulgebäude stellt hierfür mit seinen langen Gängen und fünf Stockwerken, die übrigens mehr Höhenmeter als die 6,3 Kilometer lange Firmenlaufstrecke bieten, ideale Bedingungen. Mit reicher Fachkenntnis an Trainingslehre lassen nun also unsere Stundenplanmacher über ein leistungssteigerndes Treppauf, Treppab sowie Gang-Entlang die Firmenlaufaspiranten fast ein ganzes Schuljahr mit ihren Ranzen (ich meine die Schultaschen) laufen, rennen und galoppieren. Ohne eine entsprechende Grundlagenausdauer ist beim Firmenlauf bekanntermaßen kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Ein Trainingsplan für einen typischen Montagvormittag sieht beispielsweise folgendes vor:

  • vor Unterrichtsbeginn lockeres Warmlaufen zum Kopierraum
  • um 8.05 Uhr einen scharfen Sprint nach Saal 005 in eine Lagerklasse
  • Lauf-ABC in die zweite Stunde hinauf in den vierten Stock nach Saal 501
  • während der zweiten Stunde dynamische Hopserläufe in die Verwaltung (angeblich wegen fehlender Schülerbögen)
  • Pausenaufsicht: Nachstellschritte im Eingangsbereich hinter flüchtenden Schülern her, um das Nachfüllen von Parkuhren zu verhindern
  • ab 10.30 Uhr folgen mit einer Klassen-Doppelführung in zwei EDV-Räume intensive Intervalle mit lohnenden Trabpausen
  • freies Fahrtspiel nach Saal 401 zur sechsten Stunde

Allgemein gilt: Benutzung des Aufzugs führt unwiderruflich zur Disqualifikation.

Kurz, im Sportleistungszentrum an der Jesuitengasse 14, der eigentlichen Lauftalentschmiede Schwabens, spulen scheinbare Akademiker unter den Argusaugen erbarmungsloser Stundenplantrainer täglich ein mammuthaftes Trainingspensum ab. Aber was hilft`s? Nur Muskelkatzen und –kater können stramme Lehrerwaden für eine siegreiche Firmenlaufteilnahme sicherstellen, was sich auch in diesem Jahr wieder bewiesen hat.

Stundenplanmacher: „Und? Zufrieden mit dem Lauf?“
Lehrerin: „Ich bin heuer Bestzeit gelaufen, obwohl ich nichts trainiert habe. Keine Ahnung, wie das ging. Es war jedenfalls super!“
Stundenplanmacher: „Freut mich. Gratulation.“

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Georg Braceschi-Mayer