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18.07.2018 - Der zerbrochene Kelch oder Zeitgeschichte hautnah

Eine beeindruckende künstlerische Umsetzung eines historischen Ereignisses erlebten die Schüler der FLL 11D im Textilmuseum in Form der Theatercollage „Der zerbrochene Kelch“.
15 Jugendliche aus verschiedenen Schulen der Stadt haben es mit einem Künstlerteam erarbeitet.
Das Bühnenstück zeichnet mit Hilfe von Originaltexten, jüdischen Flüsterwitzen, Gedichten und Zeitungsartikeln sowie den künstlerischen Mitteln Tanz, Musik und Film die systematische Enteignung der Augsburger Spinnerei und Weberei am Sparrenlech und der Neuen Augsburger Kattunfabrik im Juli 1938 nach. Beide Firmen waren Eigentum der Familien Kahn und Arnold, die während der NS-Herrschaft wegen ihrer jüdischen Herkunft verfolgt wurden. Ein halbes Jahr bereiteten sich die Schüler in Workshops auf die Inszenierung vor. Dabei beschäftigten sie sich mit offiziellen Dokumenten ebenso wie mit privaten Texten der Familie Kahn. In der Inszenierung wird in erschreckender Weise der verschleiernde und verharmlosende Sprachgebrauch entlarvt, mit dem die Enteignung offiziell vermittelt wurde.
Der Titel „Der zerbrochene Kelch“ erinnert an ein Erbstück der Familie Kahn. Ein silberner jüdischer Kiddusch-Becher, dessen Fuß abgebrochen ist. Er ist Symbol für das zerbrochene Schicksal der Familien Kahn und Arnold und gleichzeitig eine Mahnung, die Bruchstücke der Erinnerung zusammenzufügen.

Wir waren von der Professionalität und Intensität dieser Aufführung sehr beeindruckt und haben deshalb im Anschluss im Klassenverband über aktuelle Bezüge in der Politik diskutiert. Am Ende waren wir uns alle einig, dass ein im Stück zitierter Spruch von Bertold Brecht bis heute seine Gültigkeit hat: „Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht.“

Peter Dichtl