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08.01.2018 - Café der Kulturen 

Meine Schulzeit ist lange schon her, also meine Schülerzeit. Damals waren es die Gastarbeiterkinder aus Griechenland, Italien, Portugal oder Spanien, die mit ihren Eltern nach Deutschland gekommen waren und deren einzige Form zusammenführender Berührung, an die ich mich noch erinnere, die Raufereien beim Anstehen am Pausenstand des Hausmeisters wegen zwei Brezen gewesen sind. Ich wusste nicht einmal, wo im Schulhaus die Türkenklasse 3A ihr Klassenzimmer hatte. Und mein Klassenlehrer, der später ins ISB berufen wurde, spielte mit uns im Sportunterricht immer gerne „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“

Szenenwechsel

Paris – das Café von Europa. Viele Erdenbürger aus südlichen Gefilden, aus aller Herren Länder haben dort irgendwann ihre Heimat gefunden, nebeneinander, miteinander. Ihre gegenseitige Annäherung beim morgendlichen Anstehen in einer Boulangerie um ein Baguette oder Croissants führt nicht zwangsläufig gleich zu einem Handgemenge. Man unterhält sich gegebenenfalls höchstens mit den Händen. Und was die Hauptstadt Frankreichs kann, ist für die Schwaben-Metropole ein Leichtes, sagte meine Kollegin Frau Schinzel diesen Herbst zu mir und richtete ohne zu zögern am 18. Dezember zusammen mit dem SOR-Team im Aufenthaltsraum der BS IV das Café der Kulturen ein. Die Schüler der Berufsintegrationsklasse 10 waren die freundlichen Gastgeber. Sie haben mit orientalischer Musik, mit selber zubereiteten, erlesenen Speisen ihrer Heimatländer nicht nur unsere deutschen Auszubildenden verköstigt und erfreut, sondern auch die Lehrkräfte des Kooperationspartners Kolping, gleichermaßen wie die Belegschaft der Welserschule. Von Hoffnung auf neue Offenheit Fremdem und Fremden gegenüber, auf helfende Kontakte, sich anbahnenden Freundschaften war die ganze Aktion getragen. Konkret: von der Aussicht auf einen Praktikums-, im besten Fall einen Ausbildungsplatz. Ihre Generation tut den ersten Schritt zur Integration, weitere Schritte sozialer Akklimatisierung werden und müssen folgen.

Erneuter Szenenwechsel

Meine Schulzeit wird dann lange schon vorüber sein, auch die als Lehrer. Es werden die Jugendlichen aus Syrien, dem Irak, Afghanistan oder Somalia gewesen sein, die ohne ihre Eltern nach Deutschland kamen. Und vielleicht wird einst auch im Lehrplan das Sportspiel Wer hat Angst vorm schwarzen Mann? durch Cafés der Kulturen ersetzt worden sein.

Georg Braceschi-Mayer