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29.11.2018 - Augsburger Friedenspreisträgerin Sumaya Farhat-Naser wieder an der Welserschule

Einen spannenden und ungemein dichten Nachmittag erlebten die Schüler/innen im ersten Ausbildungsjahr der Fachbereiche Büromanagement (BM 10A und BM 10B), Industrie (10B) und BIK 10 bei der Begegnung mit der Augsburger Friedenspreisträgerin des Jahres 2000, der Biologin, Schriftstellerin und Friedensvermittlerin Dr. Sumaya Farhat-Naser. Die palästinensische Christin lebt im Westjordanland und engagiert sich über Bildungsarbeit und  Frauenrechtsprojekte als Friedensvermittlerin. Außerdem verfasst sie Bücher, die die Sehnsucht nach  Aussöhnung  wecken sollen.

Von ihrem gefährlichen Alltag, in dem über 500 militärische Kontrollpunkte bei tropischen Temperaturen Reisen zum Geduldsspiel machen und der gegenseitige Hass von Israelis und Palästinensern systematisch politisch geschürt wird, spannte sie einen Bogen hinein in die zwischenmenschliche Situation jedes Menschen:  Was kann man als Einzelner tun, wenn man die politische Situation nicht ändern kann? „Man kann verzweifeln, oder bei sich selbst anfangen!“ Besonders Frauen, die dort kulturell meist unterschätzt würden, könnten gerade deshalb effektiver Friedensarbeit leisten.

Dazu gab sie Tipps, die überall umsetzbar sind:

  • Frieden mit sich selbst schließen, sich selbst annehmen: „Gedankenhygiene“ betreiben und wachsam gegenüber negativen Gedanken zu sein, die sich der Persönlichkeit bemächtigen und Unfrieden provozieren
  • Skills für gewaltfreie Verhaltensweisen entwickeln: die Gleichheit in der Würde genauso wie die Unterschiedlichkeit aller Menschen respektieren und den eigenen „inneren Kern durch Liebe und Vergebung zum Leuchten bringen“: „Jeder Mensch, der geboren wird, ist von Geburt gut!“

Über die politische Situation in Palästina fällte sie ein ernüchterndes Urteil. „Die Völkergemeinschaft schaut nur zu, ohne ihre Verantwortung wahrzunehmen“, so die Referentin.  Die aktuelle Politik  der USA trage noch zusätzlich zu einer Verschärfung und Polarisierung bei. Die Schüler/innen ermutigte sie: „Wertschätzt eure freiheitliche Demokratie und tragt selbst aktiv zur Erhaltung bei. Dass ihr so leben könnt, ist nicht selbstverständlich!“

„Wie sehen Sie die Rolle  der Präsidenten Abas und Netanjahu?“, „Halten Sie die Berichterstattung in der deutschen Presse für objektiv?“, „Wie können Sie und Ihre Familie diese Situation aushalten“, „Warum sind Sie nach dem Studium nicht in Deutschland geblieben?“

Die regen Nachfragen und sehr qualifizierten Beiträge der Auszubildenden beeindruckten auch Prof. Dr. Elisabeth Naurath von der Forschungsstelle für Interreligiöse Bildung der Universität Augsburg, die als Gast gekommen war.

Celine Nowak und Franzi Hilzendeger von der IN 10B bedankten sich im Namen der Schule ganz herzlich für den interessanten Nachmittag.

Maria Schneider